Experiment Leben - Juni 2017

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Das Experiment
Leben

 
 
Spät, sehr spät sind wir gekommen, sozusagen im allerletzten Moment. Wenn die 4,5 Milliarden Jahre alte Geschichte der Erde auf einen einzigen Tag umgerechnet wird, dann taucht der moderne Mensch erst wenige Minuten vor Mitternacht als neue Art auf.
 
Dass es im Universum überhaupt Leben gibt, ist eine Sensation. Schließlich herrschte während Jahrmilliarden rohe Gewalt: Kernexplosionen, katastrophale Zusammenstöße, höllische Gluten und starre Eiseskälte. Und dann auf einmal: Leben! Auf einem kleinen Planeten, der während Jahrtausenden von gewaltigen Unwettern und Erdbeben geschüttelt, von Wasserfluten, Sturmwinden und Feuerwänden gepeitscht wurde, bis er schließlich zur Ruhe kam.

Das Experiment Leben hätte leicht schief gehen können. Unzählige Bedingungen mussten dafür erfüllt sein. Nur eine minimale Abweichung, und es gäbe weder Bücher noch Leser, weder Freude noch Freunde, weder Amseln noch Ameisen. Doch es kam alles genau richtig: Die Temperatur war nicht zu kalt und nicht zu heiß, die Atmosphäre enthielt die richtige Mischung aus Stickstoff und Sauerstoff, und es gab Wasser. Ein kosmischer Volltreffer.

Die Geburtsstätte des Lebens ist wahrscheinlich der Urozean, der ursprünglich die ganze Erde bedeckt hat. In ihm bildeten sich aus einfachen chemischen Verbindungen die Rohstoffe des Lebens und schließlich, vor knapp vier Milliarden Jahren, die ersten primitiven Lebensformen. Nach Ansicht der Wissenschaftler sind sie die Folge einer Reihe zufälliger chemischer Reaktionen. Naturgesetze und Zufall wirkten bei der Entstehung des Lebens Hand in Hand.
 
Mit dem Übergang von unbelebter Materie zu lebendigen Organismen wurde ein völlig neues Kapitel in der Geschichte der Evolution aufgeschlagen. Wo kam der zündende Funke her? Was ermöglichte die Transformation vom Leblosen zum Lebendigen? Wir wissen es nicht.
 
Zuerst manifestierte sich das Leben in Gestalt einer mikroskopisch kleinen Bakterie. Von ihr stammen sämtliche Lebewesen ab. Allerdings dauerte es ganze zwei Milliarden Jahre, bis die ersten einzelligen Organismen mit Zellkern erschienen. Allein dieser Entwicklungsschritt nahm die Hälfte der gesamten Zeitspanne des Lebens auf der Erde in Anspruch. Eine Jahrmilliarde später folgten die mehrzelligen Lebewesen und erste Vertreter von Tierstämmen, die noch heute existieren: Würmer, Quallen, Schalentiere und Fische.
 
Vor etwa 400 Millionen Jahren wagten die ersten Lebewesen den Schritt an Land. Schritt ist vielleicht das falsche Wort, die ersten Festlandbewohner waren Pflanzen und Insekten. Ihnen folgten die Amphibien, die ursprünglich von Fischen abstammten. Von diesen führte die Entwicklung zu den Reptilien, welche die Erde während Jahrmillionen dominierten. In ihrem Schatten wuchsen die Säugetiere und Vögel heran, die sich aber erst richtig entfalten konnten, als die Vorherrschaft der Reptilien mit dem Aussterben der Dinosaurier zu Ende ging.
 
Ganz am Schluss dieser Geschichte, vor gut zwei Millionen Jahren, erschien als kosmischer Nachzügler der Mensch. Bis zum heutigen Menschen, dem Homo sapiens, dauerte es allerdings noch länger. Unsere Art gibt es erst seit ungefähr 200 000 Jahren.
 
Auf der Bühne des Lebens herrscht ein ständiges Kommen und Gehen. Mehr als 99 Prozent aller Tierund Pflanzenarten, die es je auf der Erde gegeben hat, sind wieder verschwunden. Sie konnten sich nicht an neue Lebensbedingungen anpassen oder wurden von besser angepassten Arten verdrängt. Einige sind auch über Nacht ausgelöscht worden. Katastrophen haben in der Evolution jeweils neue Entwicklungsschübe eingeleitet. Vor 65 Millionen Jahren führte der Einschlag eines Meteoriten zum Aussterben der Dinosaurier. Ohne dieses Drama würde heute noch Tyrannosaurus rex mit seinen Kumpanen über die Erde trampeln - und uns gäbe es wahrscheinlich nicht.
 
Warum sind wir eigentlich da? Ganze Bibliotheken sind dieser Frage gewidmet. Und doch kann sie nie abschließend beantwortet werden.
 
 
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