FEST KREUZERHÖHUNG

Es wird wohl immer so sein, dass das Kreuz ein Zeichen des Widerspruchs ist. Das ist in unserer Zeit so, wo Nicht-Christen das Kreuz in der Öffentlichkeit als eine Zumutung empfinden. Das war schon zur Zeit des Apostels Paulus so, der sagte: „Das Kreuz ist für die Juden ein Ärgernis“.

Tatsächlich wird im Alten Testament, ein am Pfahl Gehängter als ein von Gott Verfluchter betrachtet. Für die religiöse Obrigkeit war dieser Kreuzestod die „beste Lösung“, denn Jesus hatte in ihren Augen Gott gelästert. Wer wusste, dass Jesus wegen seiner Gottesverkündigung, seiner Haltung zum Gesetz und zu den religiösen Autoritäten von den religiösen Führern verurteilt worden war, dem „musste“ Jesu Tod wie ein Gottesgericht erscheinen. Im Tod Jesu schien Gott sein Urteil über Jesus auszusprechen und denen Recht zu geben, die ihn einen „Betrüger“ nannten, ihn für einen von Gott Verfluchten hielten. Als Gekreuzigter war er nun von Gott verdammt.

Und Paulus sagt weiter: „Für die Heiden (also für die Nicht-Gläubigen) ist das Kreuz eine Torheit.“ Ein sinnloser Tod, der aber so grausam und entehrend war, dass römische Staatsbürger nicht gekreuzigt werden durften. Das war eine Strafe für Sklaven und Landesverräter.

Es ist daher auch verständlich, dass das Kreuz erst ab dem vierten Jahrhundert zum Symbol des Christentums wurde. Erst dann gab es die „Kreuzerhöhung“: Es wurde in die Höhe gehoben, damit alle es gut sehen, zu ihm hinaufschauen konnten, so wie es das Fest „Kreuzerhöhung“ sagen will. Es hat also lange gedauert, es war ein Reifeprozess notwendig, damit das Kreuz von Jesus anders gedeutet werden konnte.

Was bedeutet also für uns dieses Kreuz? Ist es doch mehr als ein Schmuckstück? Bald nach der Kreuzigung Jesu verkündigten die Jünger in Jerusalem: Diesen (scheinbar von Gott verfluchten) Jesus habe Gott von den Toten auferweckt. Dem, den man zerstören wollte, hat Gott neues Leben gegeben. Gott hat also denen widersprochen, die Jesus umgebracht haben. Er steht auf seiner Seite. Er hat Jesus in allem, was er gesagt und getan hat, bestätigt und rehabilitiert. Gott hat sich so erwiesen, wie er sich Mose, beim brennenden Dornbusch, vorgestellt hat: „Ich bin der Ich-bin-da.“ Gott lässt Jesus nicht fallen, auch dort nicht, wo Jesus sich selbst total verloren vorkommt, im tiefsten Elend, in unmenschlichem Schmerz und in Todesangst, wo Jesus ja die Hölle erlebt. Aber auch wenn Jesus dann ruft „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“, sagt er immerhin „mein“ Gott! Auch in seiner tiefsten Verlorenheit, klammert Jesus sich an Gott, und dieser lässt ihn nicht zu Grunde gehen.

Das ist der tiefe Sinn dieses Kreuzesgeschehens, das Jesus durchlebt hat. Auch im Kreuz ist Heil möglich, auch dann ist Gott rettend da. So hat Gott sich zu erkennen gegeben. So will er für uns Menschen sein: Der treue, liebende Gott. Wenn ich an diesen Gott glauben kann, wenn ich ihm total vertraue und mich auf ihn verlasse, werde ich befreit, erlöst von tiefster Angst und Einsamkeit. Was auch mit mir geschieht, es wird mit mir gut ausgehen, denn Gott ist da, auch über meinem Tod hinaus. Ich werde leben. Daran werde ich erinnert, wenn ich auf das Symbol des Christentums, auf das Kreuz, schaue. Es ist gut, das Kreuz nicht aus den Augen zu verlieren, es ist gut, das Kreuz zu erhöhen, denn dann kann ich erlöst, befreit, mit Zuversicht leben - trotz allem.

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