1. FASTENSONNTAG

Die Fastenzeit hat begonnen. Beim Fasten denkt man an den Verzicht von Fleisch, Alkohol oder Zucker. Aber das ist meistens nur eine Gesundheitskur, die man öfters im Jahr machen kann. Beim religiösen Fasten geht es um mehr.

Nachdem Jesus bei seiner Taufe die tiefe Erfahrung gemacht hat, dass er von Gott geliebt wird und deswegen von Gott in seinen Dienst genommen wird und sein Leben ganz für Gott zu leben, zieht es ihn in die Einsamkeit. Er will sich darüber klar werden, welche Konsequenzen diese Gotteserfahrung für ihn hat und wie er jetzt leben soll. Er stößt dabei auf persönliche Versuchungen. Er möchte nicht nur für sich selbst leben. Er strebt andere Wertigkeiten an. Er weiß: „Ein Mensch lebt nicht nur vom Brot allein; ein gläubiger Mensch ist nicht so übermütig, dass er von Gott Dinge erwartet, die normalerweise nicht möglich sind; das Wichtigste im Leben sind nicht Besitz und Reichtum, Macht und Einfluss. Jesus verzichtet darauf, will in Beziehung zu Gott leben, ihn zum Mittelpunkt seines Lebens machen.

Das ist die Grundentscheidung, die Jesus in der Wüste trifft und die er in der darauffolgenden Zeit in Wort und Tat wahr machen wird. Ist das nicht auch die Grundentscheidung, die wir am Anfang der Fastenzeit treffen sollen, um sie im Laufe der Fastenzeit wenigstens schrittweise wahr zu machen? Es geht um unsere Beziehung zu Gott und zu den Mitmenschen, die wir verbessern möchten.

Die Fastenzeit ist eine gute Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen und sich auf das Wesentliche zu besinnen. Es geht um ein konkretes Hinterfragen von meinen Lebensgewohnheiten und eine Hinwendung zu einem positiveren Verhalten. Man kehrt in sich selbst ein, man versucht sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: Wer bin ich eigentlich? Wo stehe ich im Leben? Was will ich? Wozu lebe ich? Wofür lebe ich? Welche Bedeutung hat mein Leben?

 

„Der Mensch lebt nicht nur vom Brot; er lebt von jedem Wort, das Gott spricht.“ Fasten heißt dann Möglichkeiten schaffen, dass Gott mich ansprechen kann. Ich reduziere deswegen mein reiches Konsumverhalten. Ich möchte nicht alles konsumieren, sogar oft unnütze Dinge. Ich möchte nicht Steine zum Brot machen. Diese Konsumgüter befriedigen nur scheinbar meinen Lebenshunger. Nur Gott kann ihn stillen. Wir leben oft nach dem Prinzip, das Bert Brecht in seiner „Dreigroschenoper“ nennt: „Erst kommt das Fressen, dann die Moral“.

Fasten heißt sich von scheinbar wichtigen Wertigkeiten abwenden und sich vermehrt Gott zuwenden, denn er ist das Allerwichtigste in meinem Leben. Wo erleben wir also unsere Abhängigkeiten, unsere Unfreiheiten, die uns ein Leben mit Gott erschweren oder unmöglich machen? Was sind unsere Versuchungen?

Wir sind in der Fastenzeit, unserer Wüstenzeit, wo wir uns damit auseinandersetzen sollen und uns darüber Klarheit verschaffen sollen, wie wir wirklich zu Gott stehen. Die Fastenzeit ist eine Zeit der geistlichen, der Glaubens-Revitalisierung, Erneuerung! Sechs Wochen lang einen Weg der Glaubensvertiefung gehen, bewusst auf Gott zugehen. Ihn suchen. Unseren Glauben an Gott festigen.

Das kann ich indem ich in dieser Fastenzeit z.B. auch an anderen Gottesdiensten als den Sonntagsmessen teilnehme, bewusst in meinem Alltag Momente des Gebetes festlege, aber auch durch Taten der Liebe, Gutes tun:

Da können wir unsere Fantasie freien Lauf lassen. Jeder kann für sich gute Möglichkeiten suchen. Aber ich muss oft auf Bequemlichkeiten verzichten, um Gutes tun zu können.

Fastenzeit, Zeit der Erneuerung in meiner Lebensweise, in meinem christlichen Verhalten. Ich wünsche Ihnen eine gelungene Fastenzeit.

 

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