OSTERSONNTAG

“Wenn Christus nicht von den Toten auferweckt worden ist, dann ist unsere Verkündigung und euer Glaube sinnlos“, sagt Paulus. Ich habe mich immer gefragt: „Warum eigentlich?“ Das ist mir dann irgendwie klar geworden, indem ich mich mit dem Kreuzestod von Jesus auseinandersetzte, ganz realistisch. Es war ein grausamer, menschenverachtender Tod. Durch so eine Kreuzigung wurde ein Mensch sowohl psychisch als auch körperlich total entmenschlicht und vernichtet, zu einem Nichts gemacht. Nur ausgeblutetes Fleisch und Knochen blieben übrig. Der Mensch, die Person, wurde aus dem Gedächtnis ausgewischt. Bedeutungslos. Darüber hinaus hieß es schon im Alten Testament, dass ein so an einem Pfahl Gehängter ein von Gott verfluchter war. Jesus war total gescheitert. All sein Reden über Gott und das Kommen Gottes, das Reich Gottes, wurde unglaubwürdig. Es war nur ein Gerede gewesen. Das wollten die damals religiös Verantwortlichen erreichen: Jesus sollte mundtot, vernichtet, unglaubwürdig gemacht werden: „Das soll der Retter sein?“

Es kam aber anders. Die Freunde von Jesus machten andere Erfahrungen und bezeugten: Jesus lebt, zwar anders als vorher, aber real. Dafür hatten sie nur eine Erklärung: Gott selbst hat da eingegriffen, hat Jesus auferweckt, ein neues Leben gegeben und dadurch bestätigt, dass all diejenigen, die diesen Tod von Jesus gewünscht haben, im Unrecht waren. Jesus ist nicht von Gott verflucht, im Gegenteil: Gott hat Jesus rehabilitiert. Alles was Jesus über Gott gesagt hat, ist wahr. Der Tod ist nicht das Ende. Gott hat das letzte Wort sogar über den Tod. Gott will das Leben.

Hat Jesus nicht gesagt: „Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt“? Und hat nicht auch Paulus gesagt: „Wenn Jesus tatsächlich auferweckt worden ist, dann werden auch wir ihm folgen und in Christus alle lebendig gemacht werden“ - „Jeder, der an ihn glaubt, wird nicht zugrunde gehen."?

Die Osterbotschaft ist eine Antwort auf meine tiefsten, letzten Fragen: Wie ist das eigentlich mit meinem Leben? Gehe ich einer Erfüllung entgegen oder ist alles Illusion, weil Grab oder Asche das Letzte sind? Löst sich einmal alles, was ich ins Leben investiert habe, alles, was ich an Gutem getan habe, alles was ich ertragen und durchleiden musste – löst sich das alles einmal einfach im Nichts auf? Eines ist klar: Wir alle müssen irgendwann sterben. Aber was kommt danach? Kommt da überhaupt noch etwas?

Die Botschaft von Ostern ist wirklich eine Wahrheit, mit der alles steht und fällt. Wie mein jetziges Leben auch verläuft, wie aussichtslos es oft erscheinen mag … es wird gut ausgehen. Ich werde endgültig leben. Diese Hoffnung ändert meine Lebenseinstellung. Ich betrachte mein Leben mit anderen Augen.

Das zu glauben ist nicht selbstverständlich. Die biblischen Erzählungen sagen es auch immer wieder. Als Maria von Magdala zum Grab kommt und den Leichnam nicht findet, denkt sie, man habe ihn halt weggenommen und woanders hingelegt. Und von den Jüngern wissen wir, dass sie zuerst das Gerede von der Auferweckung als Geschwätz der Frauen abgetan haben. Erst nach vielen Zweifeln begannen sie zu glauben. Und dieser Glaube wurde dann so fest und stark, dass sie ihr ganzes weiteres Leben dafür einsetzten.

„Wenn Christus nicht von den Toten auferweckt worden ist, dann ist unsere Verkündigung und unser Glaube sinnlos“. Ostern eröffnet uns die letzte Wahrheit über unser Leben. Ostern sagt uns: Es hat Sinn, weil der Tod nicht das Letzte ist. Deswegen können wir sagen: „Frohe Ostern“.

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