Was dort mit Jesus passiert ist, war eine Katastrophe. Menschlich gesehen war es ein grausamer Tod. Aber auch im damaligen jüdischen Glauben machte dieser Kreuzestod alles, was Jesus vorher gesagt und getan hat unglaubwürdig, denn im Alten Testament steht: „Ein am Pfahl Gehängter ist ein von Gott Verfluchter“. Für die Freunde, war das das Ende ihrer Geschichte mit Jesus. Aber - und das war nun das Unglaubliche - es war nicht das Ende. Warum hat ihr Glaube an Jesus neu angefangen? Warum hat dieser Glaube sich durchgesetzt? Warum konnte das Christentum sich so weiterentwickeln?
Der Evangelist Lukas erklärt das in seiner Apostelgeschichte durch eine fast märchenhafte Erzählung. Um das Unfassbare zu fassen, um Unverständliches verständlich und Unsagbares aussprechbar zu machen, verwendet er eine Erzählung mit Bildern, Zeichen, Symbolen. Der Evangelist Johannes erzählt es anders: Der von Gott auferweckte Jesus hat seine Freunde „angehaucht“, hat ihnen neue Lebenskraft, Lebensatem, die Kraft Gottes eingehaucht. Diese Kraft Gottes hat sie gestärkt, hat neue Menschen aus ihnen gemacht, hat das scheinbar Unmögliche möglich gemacht. Sie leben jetzt in der Überzeugung, dass Jesus lebt und in ihnen weiterhin wirksam ist. Der Lebensatem, die Kraft, der Geist Gottes ist stärker als alles Andere, stärker als der Tod. Gott wird trotzdem sein Reich, eine neue Welt schaffen, in der es Frieden und Gerechtigkeit gibt. Deswegen kann man sein Leben auf Jesus und auf Gott bauen. Gott wird das bewirken, durch uns, indem wir an Jesus glauben.
Menschlich gesehen, kann man darüber nur staunen. Es ist ein übermenschliches Geschehen. Gottes Wirken ist groß und stark wie ein Sturmwind, wie Feuer, wie Naturkräfte, die unsere menschlichen Kräfte übersteigen.
Zu Pfingsten feiern und gedenken wir also, dass Gott etwas Neues ins Rollen gebracht hat. Gott handelt nicht in dieser Welt, indem er in den natürlichen Verlauf der Dinge eingreift, Naturgesetze außer Kraft setzt. Gott handelt und wirkt durch und in Menschen, die von ihm begeistert sind, die in Verbundenheit mit ihm leben und ihr Mensch-Sein so gestalten, wie Jesus es vorgelebt hat. Es ist der Lebensatem Gottes der in ihnen wirkt.
So ist die Kirche entstanden. Die Kirche ist eine Bewegung von Menschen, die sich persönlich von Jesus und von Gott angesprochen, berührt und begeistert fühlen und deswegen ihr Glück bei Jesus und bei Gott suchen. Wo das geschieht, dort entsteht Glaubensgemeinschaft, eine Glaubensbewegung, dort geschieht Kirche.
Sicher, oft sind wir nicht diese begeisterten und begeisternden Menschen. Oft haben wir das Bedürfnis, uns hinter verschlossenen Türen zurückzuziehen, weil uns draußen – in unserer Gesellschaft – ein kalter Wind entgegenweht, weil wir kritisiert und angegriffen werden. Oder weil wir enttäuscht voneinander sind, uns verletzt fühlen durch Worte und Verhaltensweisen von Mitarbeitern. Deswegen müssen wir uns immer wieder neu von Jesus, von Gott, ansprechen, berühren, neu beleben lassen: durch gemeinsames Beten, Singen, Meditieren, Feiern und Handeln.
Daran will das Pfingstfest uns erinnern: Lassen wir uns von Jesus und von Gott ansprechen und begeistern. Nur begeisterte Menschen können selbst andere begeistern. „Atme in uns Heiliger Geist“, „Licht und Feuer brennt in uns“, „Der mich atmen, glauben, lieben lässt, bist du, lebendiger Gott“, singen wir in unseren Liedern.
Öffnen wir uns auch jetzt, in diesem Gottesdienst, für Gott. Lassen wir uns von ihm ansprechen und begeistern, er soll in und durch uns wirken können. Es soll in uns Pfingsten werden.